WiSe 2014|15

 

"Sourcebooks, Mindmaps, Grids"

 

Das Seminar widmete sich der Analyse von individuellen Entwurfsprozessen anhand ihrer Abbildung. Da das Entwerfen eine komplexe und nicht in allen Teilen zugängliche Tätigkeit ist, wurde dazu eine Form der Untersuchung gewählt, die sich mit relativ belastbaren Daten beschäftigt. Betrachtet wurden die Materialien und Erzeugnisse, die während der Entwurfsprozesse konsultiert, modifiziert und neu generiert werden. Es war nicht das Ziel des Seminars, den Prozess völlig lückenlos abzubilden – Leerstellen waren vorhersehbar, wurden akzeptiert oder gerade als solche für aussagekräftig erachtet– vielmehr ging es darum, einer Reihe von Fragestellungen zum Prozess nachzugehen:

Welche Probleme werden während des Entwerfens im Einzelnen gelöst und inwieweit sind sie benennbar, wie bedingen sich die verschiedenen Probleme untereinander, welche Referenzen werden abgerufen, welche Texte werden konsultiert, wo entstehen Bilderketten, an welchen Stellen kommen Entwicklungslinien zum Stillstand, welche Darstellungstechniken kommen in der Überprüfung einzelner Entwurfsentscheidungen zur Anwendung?

Die Zwischenprodukte, die Erzeugnisse der mannigfaltigen Arbeitsschritte und Verfahrensweisen, die sich während des Entwurfsprozesses materialisieren, sind im Zusammenhang dieser Fragestellungen äußerst relevant, weil sie durch ihre Kollokation an einer bestimmten Stelle des Prozesses – weit mehr als die finalen Ausarbeitungen zur Präsentation des Projekts – Auskunft über strukturelle Zusammenhänge geben können.

Die Ergebnisse des Seminars waren vielfältig und entsprachen der Unterschiedlichkeit von individuellen Verfahrensweisen, die im Entwerfen zur Anwendung kommen. Die Studierenden entwickelten unter anderem interaktive Concept Maps, Webseiten (wie beispielsweise die im Sommersemster 2015 erarbeitete Webseite von Li Lin http://linlihere.wix.com/mittelmeermarkt) Bücher, Möbel, Karteikartensysteme, Leporellos, Filme.

Es zeigte sich, dass ein höherer Grad an Reflektiertheit der Studierenden dazu führte, dass sie ihre Entscheidungsketten innerhalb des Entwurfs klarer bewerten und damit die Ergebnisse besser kontrollieren konnten. Auch die intuitiven, irrationalen Teile des Entwurfsprozesses wurden von diesen Studierenden als solche erkannt und in den Gesamtablauf eingeordnet. Mit diesem Aspekt war auch der wichtigste Lerneffekt des Seminars verbunden: die Erarbeitung von dokumentierenden Formaten zum Entwurfsprozess wurden zu einer intensiven Selbstbefragung zum Thema „Wie arbeiten wir wirklich?“.