Jahresausstellung

 

2016

 

Ausstellung "Neufert reloaded" und "Heimat formen" | WiSe 15|16

NEUFERT RELOADED

Handbücher gehören zu den Formen von standardisiertem Wissen, mit denen Architekten regelmäßig arbeiten. Meistens werden sie konsultiert, um normative Informationen (Dimensionen, Abstände, Verteilungsschlüssel etc.) abzufragen. In dieser Funktion haben sie eine Art Haltbarkeitsdatum, da Normen und Nutzungskonventionen sich ändern oder aktualisiert werden. Neben den normativen Informationen enthalten Handbücher jedoch vor allem: Figuren. Und diese Figuren stehen auch dann noch zur zeichnerischen Bearbeitung zur Verfügung, wenn die normativen Angaben, die sie enthalten, bereits überholt sind.

Im Seminar wurde das Potential von Handbüchern als Figurenspeicher für den Entwurfsprozess untersucht. Dazu wurde mit fünf italienischen Handbüchern gearbeitet, die zwischen 1930 und 1950 publiziert wurden – von den Architekten Vaccaro, Cortelletti, Griffini, Melis und Contini. Tatsächlich wurden also diese fünf „reloaded“ und nicht der „Neufert“, der lediglich zur Namensgebung herangezogen wurde, um für die Studierenden zu klären, mit welcher Art von Kompendium sie arbeiten würden.

Innerhalb des Workshops des Kompaktseminars bearbeiteten die Studierenden jeden Tag ein zur Verfügung gestelltes Handbuch. Jeden Tag arbeiteten die Studierenden zudem mit einem anderen Nutzungsprogramm, das durch 30 spezifische Einzelfunktionen beschrieben wurde: Bank, Bibliothek, Gastronomie und Wohnen. Durch eine Reihe von angeleiteten Übungen erzeugten sie - analog und digital – neue, verfremdete Figuren aus dem jeweiligen Handbuch. Durch grafische Manipulationen und durch den gezielten Einsatz der selektiven Wirkung der verschiedenen Darstellungskonventionen wurden neue Figuren erzeugt, die entwurfs- bzw. formrelevant sein können.

Die in der intensiven Arbeitswoche erzeugten Figuren, die während des Workshops Abend für Abend die Wände der „Werkzeugkulturen“ fortschreitend bedeckten, werden hier in einem „Diagram House“ ausgestellt. Sie stehen zur weiteren Bearbeitung bereit.

Studentische Arbeiten von:
Reiner Backes | Sophie Diemann | Friederike Drewes | Marie Enders | Hanna Feldhagen | Katharina Fischer |
Simon Goliasch | Jasmine Klute | Mirjam Konrad | Helene Lucas | Nicola Schmalt | Anna Schrage | Franziska Tautz | Michaela Wodarczak

Lehrveranstaltung von:
Prof. Dipl.-Ing. Carolin Stapenhorst, Ph.D.
mit Arch. Andrea Alberto Dutto

MIGRATION und HEIMAT

„Migration“ und „Heimat“ können als gegensätzliche Begriffe erscheinen. Tatsächlich sind sie eng miteinander verbunden. Denn Migration ist der Verlust, zumindest aber das Über-Denken alter Heimat. Das Ausziehen-in-die-Fremde ist dabei oftmals mit dem Bedürfnis verbunden, eine neue Heimat zu finden – für immer oder auf Zeit.

So war es nicht überraschend, dass sich Studierende im Rahmen des Projektes „HEIMATformen“ intensiv mit programmatischen und formalen Bedingungen auseinandersetzten, welche Zugänge zu (neuen) Heimatformen in der Fremde bieten können. Als Entwurfsprojekt in Dresden verortet, reflektierten die Studierenden dabei auch das tagespolitische Geschehen: Es regte sie an, immer wieder nach dem möglichen Zusammengehen unterschiedlicher Lebenswelten und Bedürfnisse, gesellschaftlicher und kultureller Hintergründe zu fragen und das Zusammenleben von Heimatsuchenden und Ansässigen zu reflektieren.

Architektur kann letztlich auf diese Fragen keine Antworten geben. Architekten können jedoch sehr wohl mit baulichen Gestaltungen und Programmen, bei den Menschen Erfahrungs-, Aneignungs- und Identifikationsprozesse anstoßen, Kommunikation im Raum und Netzwerkbildung anregen und damit wertvolle Beiträge zu gesellschaftlicher Integration und kultureller Vielfalt leisten. In diesem Sinne, zeigten die Studierenden des Projektes HEIMATformen mit der begründeten und detaillierten Formulierung unterschiedlichster Nutzungsprogramme, welche Möglichkeiten des Heimisch-seins und Heimisch-werdens es an einem besonderen Ort in einer besonderen Stadt geben kann. Sie formulierten zudem in der Auseinandersetzung mit dem konkreten Entwurfsgrundstück in Dresden-Striesen, architektonisch und städtebauliche Angebote, welche ihre differenzierten Verständnisse des Heimatbegriffes spiegeln.

Die Ausstellung zeigt eine Auswahl dieser Projekte, welche auf sehr unterschiedliche Weise HEIMATformen programmatisch und gestalterisch fassen: Sie beschreiben beispielsweise das –selbstbestimmte – Wohnen, die Bewältigung des Alltag in der Fremde und die Sprach(kunst) als Schlüsselfunktionen zur Heimat. Neben den finalen Ergebnissen zeichnet die Ausstellung den schwierigen Weg der Annäherung an die komplexe und abstrakte Entwurfsaufgabe nach: Es sind die ersten, ganz persönlichen Überlegungen zum Heimatbegriff, dargestellt in den „myHeimat“-Boxen, die subjektiven Kartierungen des spezifischen Orts und ein Stegreif.

Ausgewählte Arbeiten von

Subjective Maps: Luzie Edelhoff, Adrian Heints

Stegreif “Haus der Fremde”: Nils Oehler

MyHeimat-Boxen: Simon Goliasch, Adrian Heints, Torsten Lentzen, Nils Oehler

Projekte: Simon Goliasch, Torsten Lentzen, Nils Oehler

Lehrveranstaltung von:
Prof. Dipl.-Ing. Carolin Stapenhorst, Ph.D. | WK
Prof. Dr.-Ing. Carola Neugebauer | SKE